Spielst du zum ersten Mal gegen einen Materialspieler, kann das recht frustrierend sein.
Vor allem, wenn man nicht weiss, wie Anti- und Noppenbeläge funktionieren.
Deshalb ist es Ziel dieses kleinen Kurses "Materialspieler" zu verstehen, selbst Anti/Noppen auszuprobieren und zu lernen, wie man dagegen spielt.
Fangen wir an...
Kapitel 1: Grundwissen
Anti- und Noppenbeläge spielen sich anders als normale, griffige Beläge.
Häufig werden sie eher passiv oder defensiv eingesetzt, können aber auch aktiv gespielt werden.
Was ist besonders?
- Sie erzeugen meist deutlich weniger eigenen Spin als normale griffige Beläge.
- Der ankommende Spin des Gegners beeinflusst den zurückkommenden Ball stark.
- Besonders lange Noppen erzeugen einen ungewohnten Ballflug und Absprung.
- Ein normaler Topspin ist mit Material oft schwieriger bis gar nicht zu spielen.
Schnittumkehr
Vereinfacht gesagt kann ein Materialspieler einen von dir erzeugten, starken Spin nicht mehr umdrehen.
Von normalen Belägen bist du folgendes gewöhnt:
Du spielst Unterschnitt, dein Gegner ebenfalls --> du erhältst Unterschnitt.
Gegen Material aber, behält der Ball seine Rotationsrichtung:
Du spielst Unterschnitt, dein Gegner ebenfalls --> du erhältst Topspin.
Obwohl dein Gegner den Ball unterschneidet, bekommst du Topspin zurück.
Das ist allerdings keine starre 1:1-Regel und noch nicht das ganze Geheimnis!
Erstmal merken wir uns:
| Dein Ball | Typische Wirkung beim Material |
|---|---|
| starker Topspin | häufig Unterschnitt zurück |
| starker Unterschnitt | häufig Topspin zurück |
| wenig / kein Spin | wenig bzw. stärker vom eigenen Spin abhängiger Schlag |
Detaillierte Wirkung von Anti- und Noppenbelägen
Die folgenden Animationen von Greg zeigen dir viel mehr Varianten. Aufgabe: Schau sie dir in Ruhe an und beobachte selbst, was mit der Rotation passiert.
(Die Seite ist in englischer Sprache, wer alle physikalischen Details wissen will, liest es gründlich. Entscheidend sind aber die Animationen!)
Greg's Table Tennis Pages:
Wir sehen, unser Merksatz weiter oben war zwar schön einfach, aber als allgemeine Erklärung zu pauschal.
Ein Antibelag hat eine glatte, relativ rutschige Oberfläche und nimmt deshalb nur wenig Einfluss auf den ankommenden Spin: Er lässt ihn meist weitgehend bestehen, kann ihn aber durch längeren Ballkontakt etwas reduzieren oder geringfügig verändern.
Ein langer Noppenbelag nutzt dagegen die nachgiebigen, nach außen stehenden Noppen, die sich beim Ballkontakt biegen und dadurch den Spin je nach Schlagbewegung deutlich stärker verringern, verstärken oder teilweise "abwürgen" können; dabei wird die Spinrichtung häufig nicht einfach umgekehrt.
Kurz gesagt: Antibelag bremst und dämpft den gegnerischen Spin vor allem durch seine geringe Haftung, lange Noppen beeinflussen ihn mechanisch durch das Verbiegen der Noppen und bieten dadurch mehr Variationsmöglichkeiten.
Kapitel 2: Anti und Noppen selber spielen
Wie spielt man mit Material? Lange Noppen und Anti können sehr unterschiedliche Techniken ermöglichen. Gute Materialspieler verändern nicht nur den Spin, sondern auch Tempo, Platzierung und Treffpunkt. Im Video vermitteln dir zwei Topspieler grundlegende Techniken.
Video: Rückhandtechniken mit langen Noppen(ca. 8 Min.)
01:50 min. - Abstecher / Gleitblock / Hackblock
03:28 min. - Seitlicher Abstecher / Gleitblock / Hackblock
04:31 min. - Druckschupf
05:42 min. - Seitwischer
06:27 min. - Nopspin – Angriff mit langen Noppen
Kommen wir zum Antibelag.
Video: Antibelag in Aktion(ca. 8 Min.)
Du erkennst im nächsten Video Techniken aus dem vorherigen wieder. Der Antispieler steht rechts und es werden verschiedene Situationen im echten Ballwechsel, darunter der Wechsel zwischen Topspin und Schupfball sowie traditionelle Abwehr aus der Halbdistanz, gezeigt.
Beobachtungsauftrag: Wann wird Topspin gespielt? Wann geschupft? Was passiert bei mehreren Topspins hintereinander? Wann strengt sich der Angreifer besonders an?
Kapitel 3: Wie gewinnt man gegen Materialspieler?
Nicht jeder Materialspieler spielt gleich. Drei typische Spielweisen begegnen dir besonders häufig.
Typ 1 – Der klassische Abwehrspieler
Steht häufig weit hinter dem Tisch und verteidigt sicher. Deine Topspins kommen oft mit viel Unterschnitt zurück. Es entstehen lange Ballwechsel zwischen Angriff und Abwehr.
Typ 2 – Der Noppenspieler direkt am Tisch
Steht sehr dicht am Tisch und setzt die Noppen vor allem mit der Rückhand ein. Häufige Richtungswechsel, abgestochene oder geblockte Bälle sowie ungewöhnlicher Absprung machen das Spiel unangenehm.
Typ 3 – Passiv mit Noppen, offensiv mit Vorhand
Spielt mit guter Beinarbeit. Die Noppen-Rückhand wird eher passiv oder störend eingesetzt, um eine gute Gelegenheit für den eigenen Vorhandangriff vorzubereiten.
Hauptfehler gegen Material:
Die Effetspirale!
Du spielst Topspin, der Materialspieler bringt Unterschnitt zurück. Du ziehst den nächsten Topspin noch stärker – und bekommst stärkeren Unterschnitt → der nächste Topspin landet im Netz.
Schau dir nochmal das Video "Antibelag in Aktion" an. Häufig gerät der Angreifer in die Effetspirale. Konsequenz: Er muss sich sehr anstrengen um immer mehr Spin in die Folgebälle zu bekommen.
Langsam spielen, wenig oder keinen Spin einsetzen, schupfen und auf eine gute Gelegenheit für den Topspin warten.
Die Effetspirale unterbrichst du durch das Muster „Einen Topspin – einen Schupfball“.
Zurück zu den Profis.
Simon, vom Spin Collage in Hamburg, gibt dir Tipps gegen Material:
Video: Wie man gegen Noppen gewinnt (ca. 13 Min.)
- lange, leere Aufschläge
- mit wenig Rotation oder „leer“ ins Material spielen
- Rhythmus und Tempo wechseln
- in die tiefe, weite Rückhand spielen
- den richtigen Ball aussuchen
- locker spielen und nicht alles hart draufspielen
- einen schupfen, einen ziehen
- Schupfbälle gut platzieren
Kapitel 4: Dein Übungsmaterial beim TSV
Schluss mit Theorie, rein in die Praxis. Beim TSV Nieukerk haben wir für euch zwei spezielle Trainingsschläger, mit denen du Anti und lange Noppen selbst ausprobieren kannst. Beide Schläger haben das gleiche Holz und den gleichen Vorhandbelag. Nur die Rückseite ist unterschiedlich: einmal Anti, einmal lange Noppen. Der Schlägergriff ist gerade, damit du auch selber den Schläger schnell "drehen" kannst und die Unterschiede zu normalen Belägen merkst.
Bitte nutzt die beiden Schläger gezielt und auf Anfrage beim Trainer.
So können wir sicherstellen, dass alle die Möglichkeit haben, das Material auszuprobieren und zu lernen.
Kapitel 5: Übungen zu zweit: Anti & Noppen ausprobieren
Alle Übungen werden zu zweit gespielt. Ein Spieler benutzt seinen normalen Schläger, der andere den Anti- oder Noppenschläger. Nach einer festgelegten Zeit wird gewechselt.
1. Erst einmal einfach zurückspielen
Langsam hin und her spielen. Nur beobachten: Wie fühlt sich der Ball an? Wie springt er ab?
2. Topspin gegen Anti
Ein Spieler spielt leichten Topspin. Der Anti-Spieler spielt kontrolliert zurück. Beobachtet den zurückkommenden Spin.
3. Topspin gegen Noppen
Wie bei Übung 2 – diesmal mit langen Noppen. Was verändert sich?
4. Unterschnitt gegen Noppen
Unterschnitt spielen und zurückspielen. Welchen Spin bekommt der Partner zurück?
5. Unterschnitt gegen Anti
Gleiche Aufgabe mit Anti. Vergleicht das Gefühl und den Ballflug.
6. Topspin und Unterschnitt wechseln
Abwechselnd Topspin und Schupfball spielen. Was verändert sich beim Rückball?
7. Gleicher Schlag – anderer Ball
Mehrfach denselben Schlag spielen. Kommt der Ball wirklich jedes Mal gleich zurück?
8. Kurz gegen lang
Abwechselnd kurze und lange Bälle spielen. Beobachtet, wie der Materialspieler reagiert.
9. Ballflug beobachten
Achtet auf Höhe, Geschwindigkeit, Länge, Absprung und Spin.
10. Vorhand gegen Rückhand
Versucht bewusst, den Materialspieler in verschiedene Bereiche zu bewegen.
11. Was passiert beim Block?
Topspin spielen und den Materialspieler blocken lassen. Beobachtet den Rückball.
12. Zwei verschiedene Rückgaben
Den gleichen Ball einmal kontrolliert und einmal anders platzieren. Wie verändert sich die nächste Situation?
13. Spin lesen
Der normale Spieler wechselt Topspin und Unterschnitt. Der Materialspieler verrät nicht, was zurückkommt. Der Partner muss den Ball lesen.
14. Zwei verschiedene Bälle hintereinander
Topspin und danach Unterschnitt spielen. Erkennt der normale Spieler den Unterschied im Rückball?
15. Kleines Punktspiel mit Material
Punktspiel mit Materialschläger. Nach dem Punkt kurz überlegen: Warum kam der Ball gerade so zurück?
Spezialübung: Einen Topspin – einen Schupfball
Spielt immer nach dem Muster: Topspin → Schupfball → Topspin → Schupfball.
Ziel: Geduldig bleiben und die Effetspirale gegen Material kennenlernen. Später kann der Spieler selbst entscheiden, wann er Topspin und wann er Schupfball spielt.
Material-Detektiv
Nach jeder Übung kurz überlegen: War der Spin stärker, schwächer oder verändert? War der Ball langsamer, schneller oder flacher? Was hat der Materialspieler mit seinem Schläger gemacht?
